Das Gespräch, das alles zeigt

Zwischen meinen Sätzen im Fitnessstudio kam ich mit einer jungen Frau ins Gespräch, wie es dort so passiert.

"Du arbeitest mit KI? Ich kenne Fable 5."

Ich dachte mir: ok cool, die kennt sich aus.

"Wofür nutzt du Fable 5?", fragte ich.

"Ich bin Anwältin, ich analysiere damit meine Texte."

Ok super, dachte ich, sie fährt einen Ferrari für eine Strecke, die jedes Auto schafft.

"ChatGPT habe ich auch probiert, war aber nicht so gut. Personenbezogene Daten gebe ich da natürlich nicht rein."

Klar, dachte ich, sie ist Anwältin. Datenschutz ist ihr Zuhause.

"Genau richtig. Das vergessen die meisten. Schau dir mal NotebookLM an. Das arbeitet direkt mit deinen eigenen Dokumenten."

Sie schaute mich nur verwirrt an.

Ok, dachte ich, vielleicht bin ich gerade zu tief.

Denn langsam merkte ich: Sie hatte "Fable 5" gesagt, als wüsste sie, was das ist. Sie wusste es nicht.

Dann holte sie ihr Handy raus.

"Welches Abo soll ich denn kaufen? Was nutze ich hier überhaupt? Hier ist Fable 5, hier ist ChatGPT."

"Nutzt du Fable 5 nicht über Anthropic?"

"Anthropic? Was ist das?"

"Zeig mal. Bist du überhaupt auf der Seite von Anthropic?"

Sie zeigte mir ihr Handy: lauter Drittanbieter. Vom Original hatte sie nie gehört.

"Ok, stopp. Geh direkt zu Anthropic."

Ich zeigte es ihr, erklärte noch kurz die Modelle und dann kaufte sie in Ruhe Pro.

Den Datenschutz hatte sie sofort drauf, dafür ist sie Anwältin. Aber was sie da eigentlich nutzt, von wem, und was das Original ist, das wusste sie nicht. KI-Zugang hat heute jeder. Durchblick fast keiner.

Damit dir das nicht passiert, hier die Landkarte in zwei Minuten:

KI-Landkarte: Hersteller, App, Modell, Stufe
Die KI-Landkarte, Hersteller, App, Modell, Stufe. Für die meisten reicht das Mittelmodell.

1. Es gibt nur eine Handvoll Hersteller

Die Firmen, die die KI wirklich bauen, kannst du an einer Hand abzählen:

  • Anthropic (Modelle: Claude, Fable)
  • OpenAI (Modelle: GPT, bekannt über ChatGPT)
  • Google (Modelle: Gemini)
  • Mistral (aus Frankreich)

Das sind die Hersteller. Die Marke. Wenn du ein Abo kaufst, willst du direkt bei einem von denen sein, nicht bei einem Drittanbieter, der ihren Zugang nur teurer weiterverkauft.

Und Achtung, hier wird es tricky: Nicht alles, was nach KI aussieht, ist ein Hersteller. Microsoft Copilot zum Beispiel baut kein eigenes Modell. Copilot ist eine Oberfläche von Microsoft, die unter der Haube fremde Modelle laufen lässt, aktuell von OpenAI und Anthropic [3] [4]. Du redest mit Copilot, aber antworten tut dir ein Modell von OpenAI oder Anthropic. Gut zu wissen, wenn du verstehen willst, wofür du eigentlich zahlst.

2. Jeder Hersteller hat mehrere Modelle

Ein Hersteller ist nicht ein Modell, sondern eine ganze Modellreihe, wie bei einer Automarke. Grob gibt es überall drei Stufen: ein kleines, schnelles Modell, ein mittleres für den Alltag, und ein großes für die schweren Sachen.

Das ist die Landkarte, hier noch einmal in Textform:

StufeAnthropicOpenAIGoogle GeminiMistral
Klein, schnellHaikuInstant, miniFast (Flash)Small
Mittel, AlltagSonnetThinkingThinkingMedium
Groß, starkOpusProProLarge

Stand Juli 2026. Die Modellnamen ändern sich schnell, das Muster bleibt. [1] [2]

Dir fällt auf: OpenAI und Google nennen ihre Stufen fast gleich, "Thinking" und "Pro". Das ist kein Zufall. Alle bauen im Grunde dasselbe Angebot: schnell und günstig unten, stark und teuer oben.

3. Jedes Modell ist für etwas anderes gebaut

  • Klein: schnelle, einfache Aufgaben. Kurze Antworten, Zusammenfassungen, schnelle Fragen.
  • Mittel: der Alltag. Texte schreiben, analysieren, die meiste normale Arbeit.
  • Groß: die schweren Denkaufgaben. Komplexe Analysen, kniffliges Reasoning, große Dokumente.

4. Die Faustregel: für die meisten reicht das Mittelmodell

Die meisten greifen reflexartig zum Größten, weil "größer = besser". Meistens falsch. Das große Modell ist langsamer und teurer, und für einen Großteil der täglichen Arbeit merkst du den Unterschied gar nicht.

Das Mittelmodell ist der Sweet Spot: Sonnet, Thinking, Medium, je nach Hersteller. Schnell genug, stark genug, günstig genug. Fang da an. Zum Großen greifst du erst, wenn dir das Mittlere spürbar nicht mehr reicht.

Was du dir merken solltest

Drei Fragen, und du bist der Anwältin aus der Geschichte um Längen voraus:

  1. Wer ist der Hersteller? (Anthropic, OpenAI, Google, Mistral. Oder eine Oberfläche wie Copilot, die deren Modelle nutzt.)
  2. Welches Modell? (Klein, mittel, groß.)
  3. Reicht das Mittelmodell? (Meistens ja.)

Und der wichtigste Reflex: kauf an der Quelle, direkt beim Hersteller.

Im nächsten Artikel gehen wir eine Ebene tiefer. Denn die Modelle können mehr, als ihr Name verrät. Das große Modell lässt sich zum Beispiel auf "mehr nachdenken" stellen, und aus einem starken Modell wird ein richtig starkes. Dazu bald mehr.

Quellen

Stand Juli 2026. Modell-Lineups ändern sich laufend, prüfe im Zweifel direkt beim Hersteller.

[1] OpenAI, "Model Release Notes", OpenAI Help Center: https://help.openai.com/en/articles/9624314-model-release-notes

[2] "ChatGPT Models Explained: Complete Comparison Guide (2026)", ai-toolbox.co: https://www.ai-toolbox.co/chatgpt-models/chatgpt-models-explained-complete-comparison-2026

[3] Microsoft, "Anthropic joins the multi-model lineup in Microsoft Copilot Studio", Microsoft Copilot Blog: https://www.microsoft.com/en-us/microsoft-copilot/blog/copilot-studio/anthropic-joins-the-multi-model-lineup-in-microsoft-copilot-studio/

[4] "Microsoft's Copilot makes Anthropic's Claude and OpenAI's GPT team up", The New Stack: https://thenewstack.io/microsofts-copilot-llm-team/