Mein Diktier-Tool kennt zwei Kategorien: „AI Prompts" und „Other Tasks". Vier von fünf meiner gesprochenen Wörter fallen in keine von beiden richtig.
Ich benutze ein Diktier-Tool namens Wispr Flow, das jedes Wort protokolliert und der App zuordnet, in die es ging. Laut Dashboard liefen nur 15 Prozent meiner Desktop-Nutzung unter „AI Prompts".
Als ich das gelesen habe, dachte ich mir: „Wait a minute, das kann doch nicht wahr sein!"
Der Rest, 78 Prozent, unter „Other Tasks". Auf den ersten Blick sieht das nach einer fehlenden Kategorie aus: mein Terminal wird einfach nicht erkannt. Ein Terminal ist das Textfenster, über das man einem Computer direkte Befehle gibt, statt mit Maus und Menüs zu klicken. Bei mir läuft dort mein KI-Agent, der für mich arbeitet.
Ich sagte zu Zoya, meiner KI-Assistentin:
„Schreib eine Email an Wispr Flow, ich will wissen, wie viel davon im Terminal tatsächlich passiert."
Ihre Antwort kam anders zurück als erwartet:
„Ja, kann ich machen, aber ich kann auch direkt in den Ordner schauen, wenn du magst, und es dir sagen." (Zoya)
Ich war ein bisschen überrascht, aber okay: „Mach das."
Und da kamen die Zahlen, Anteil Terminal an allen diktierten Wörtern:
- Seit Mai (all-time): 79,5 %
- Letzte 14 Tage: 81,6 %
- Faktor 9 vs. zweitplatzierte App (Recherche-Tool, ~18.600 Wörter seit Mai vs. Terminal >167.000)
Interessanter als die Momentaufnahme ist der Monatstrend:
| Monat | Anteil |
|---|---|
| Mai 2026 | 73,9 % |
| Juni 2026 | 82,6 % |
| Juli 2026 (bisher) | 81,9 % |
Aber je länger ich über die Zahl nachdenke, desto klarer wird: Es ist nicht nur eine fehlende Kategorie. Es ist die falsche Kategorie. Wispr Flow versteht unter „AI Prompt" offenbar nur die kurze Frage an ein Chatfenster, einmalig, abgeschlossen mit der Antwort. Was ich den ganzen Tag in mein Terminal spreche, ist auch ein Prompt, nur eine andere Art davon: Ich stelle selten Fragen. Ich gebe Richtung.
Der Unterschied ist eine Rolle, kein Werkzeug
Wenn ich diktiere, sage ich nicht „was ist die Hauptstadt von X" oder „schreib mir einen Satz um". Ich sage, was am Ende herauskommen soll, und übergebe den Weg dorthin. Der Agent liest Dateien, probiert Dinge aus, korrigiert sich selbst, meldet sich mit einer Zwischenfrage oder einem Vorschlag zurück, den ich annehme oder verwerfe. Das ist keine Konversation mit einem Chatbot. Das ist eine Anweisung an jemanden, der die Ausführung selbstständig übernimmt und mir das Ergebnis zurückbringt.
Das ist die Rolle des Orchestrators. Ich halte die Vision, das Ziel, das Kriterium für „fertig". Der Agent ist die Hand, die ausführt, mit einem eigenen Spielraum für Vorschläge, aber ohne die Entscheidung, was am Ende zählt. Diese Rolle gibt es in jeder Zusammenarbeit, in der einer weiß, wohin es gehen soll, und einer die Arbeit macht. Neu ist nur, dass die ausführende Seite jetzt eine KI ist, und dass ich sie per Sprache orchestriere statt per Text.
Sportanalogie: der Video-Analyst, nicht der Spieler
Am ehesten wie ein Video-Analyst im Fußball, nicht wie ein Spieler. Ein Spieler führt einen Zuruf aus. Ein Analyst sichtet das ganze Material und kommt mit einer verdichteten Einschätzung zurück. Genau das hat Zoya oben gemacht: nicht eine Zeile abgearbeitet, sondern die ganze Datenbank durchsucht und mir eine Zahl gebracht, die ich sonst nirgendwo gesehen hätte. Selbst nachsehen hätte ich können, die ganze Zeit. Delegiert habe ich nur die Zeit, die es gekostet hätte.
Wispr Flow nennt mein Diktier-Profil übrigens von sich aus „Directive Manager", automatisch abgeleitet aus meinen eigenen Diktaten.

Passt zufällig gut. Ich diktiere, am Ende bedeutet das bei mir: Ich delegiere.
Warum die Zahl trotzdem der richtige Einstieg ist
Die Zahl von oben ist der Beweis, nicht die Geschichte selbst. Sie zeigt, wie sehr sich meine tägliche Sprache von „ich frage etwas" zu „ich gebe eine Richtung vor" verschoben hat, ohne dass ich das bewusst trainiert hätte.
Der Fehler in meinem Dashboard ist deshalb interessanter als ein technisches Detail. Er zeigt, dass die Werkzeuge, die uns messen, noch aus einer Zeit stammen, in der KI ein Fenster war, das man etwas fragt. Für die Rolle, in der die meisten von uns inzwischen mit KI arbeiten, den Orchestrator, gibt es in diesen Tools noch keine Kategorie. Das Sprechen selbst ist schon weiter als die Statistik, die es messen soll.
Hinweis
Der Wispr-Flow-Link oben ist ein Empfehlungslink (ich bekomme dafür einen Monat gratis). Die Zahlen im Artikel sind meine echten, unabhängig davon.

